Guido Helbling - Field Recording

Field Recording Guido Helbling - Tonaufnahmen am Farewell Spit in Neuseeland
Bild: Tonaufnahmen unter erschwerten Bedingungen: Am Farewell Spit mit Wind in Orkanstärke

Seit Beginn meiner Arbeit mit Filmton bin ich begeisterter Field Recordist. Field Recording meint, ich nehme meine Töne selber auf.

Anfangs hatte dies hauptsächlich damit zu tun, weil keine Sounds aus Archiven verfügbar waren. Wir hatten keins - und auch kein Budget dafür.

Also gingen wir raus, und nahmen die Sachen selber irgendwie auf. Schnell haben wir bemerkt, dass die Aufnahmen sehr viel besser wurden als gedacht, und dass das ganze garnicht sooo schwierig ist. Vorausgesetzt Natur und Umwelt spielen mit, denn die beiden können ganz schöne [füge hier eigene Schimpfworte ein] sein.

Field Recording - Komm wir machen uns schmutzig!

Field Recording - Komm wir machen uns schmutzig!
Bild: Es knarrt und quietscht. Hast du ein Wasserrad hinter dem Haus? Meld dich!

Wer nicht immer die ewig selben Sounds benutzen will, dem steht die Welt offen, neues und aktuelles Material einzufangen. Neue und frische Sounds machen eine Tonspur interessant und lebendig und geben deinem Film einen einzigartigen Touch.

Grund genug also, Mühsal und Beschwerden auf sich zu nehmen und neue Sounds einzufangen? Nun, ganz so schlimm ist es nicht, aber wer selber Tonaufnahmen macht, wird merken, dass der logistische Aufwand für ein paar Aufnahmen doch schnell immens werden kann.

Tonaufnahmen von Wasser

Guido Helbling - Field Recordist - Tonaufnahmen von Wasser
Bild: Kontakt mit den Elementen garantiert: Field Recording am Polarmeer in Island

Wasser gehört für mich zu einem der eindrücklichsten Klänge der Welt. Genau wie Blitz und Donner gehört das Tosen und Schäumen der Brandung seit Urzeiten zum Soundtrack unsers Planeten. Und nicht nur das, der Klang von Wasser und Wellen dürften auch auf anderen Planeten nicht unwesentlich anders sein.

Kommst du von einem weit, weit entfernten Planet und list dies, schick mir eine Aufnahme von deinem Planeten. Egal von was. (Bitte keine Rap-Musik). Schicks an mich

Möchtest du also eine Zeitreise machen, hör dir einfach die Wasser Sounds an von meinem Artikel über Tonaufnahmen von Wasser Sounds an und begib dich auf eine Zeitreise. Oder in eine andere Welt. Oder beides.

Ich jedenfalls habe Aufnahmen davon.

Auf Reisen - Zu Besuch bei Mönchen

Field Recording in Myanmar - Tonaufnahmen von Mönchen
Bild: Die Novizen müssen nochmals üben - Abendgebet in einem Kloster in Myanmar.

Zeigt man Interesse an einer Kultur, darf man schnell Vieles. Vorher zu Fragen aber empfiehlt sich immer, besonders bei religiösen Einrichtungen. Da kann man schnell den Unmut einer ganzen Gesellschaft auf sich ziehen. So z.B. geschehen bei einem Herrn in Myanmar, der angeblich das Antliz Buddhas auf seine Wade tätowiert hatte.

Was mit guter Absicht als Ehrerbietung gemeint war, war für die gläubigen Buddhisten jedoch eine grobe Beleidigung: Die Wade, nicht weit entfernt von den Füssen, die als schmutzig und böse, gelten ist ein denkbar ungeeigneter Ort für solche Sachen. Der Hintern wär besser gewesen - weil man's da hoffentlich nicht gesehen hätte, doch selbst Nacken und Schultern sind problematisch. Am Besten, man lässt es beim guten alten Anker oder Totenkopf bleiben.

Den Herrn musste man angeblich vor dem wütenden Mob retten und wurde später dann des Landes verwiesen.

Ob ich mein Karma belaste, wenn ich Aufnahmen von religiösen Einrichtungen mache, habe ich die Mönche gefragt. Nun, wie es scheint, bin ich als Field Recordist fein raus, denn ich kann ja nicht bestimmen, wer was mit meinen Aufnahmen macht. So die Antwort der Mönche. Und Budda sei's sowieso egal, auch wenn sich jemand was auf die Wade tätoviert.

Spass in der Dschungelhütte - mit dem Aufnahmegerät

Spass in der Dschungelhütte - mit dem Aufnahmegerät

Da man in der Regel die lokalen Landesprache weder versteht noch sich sonst irgendwie verständigen kann, nimmt man sich am Besten einen Guide. Hat man etwas Glück, bringt dieser einen an Orte, fernab der ausgelatschten Touristenströme, denn man will ja nicht das Geschnatter von Touristen aufnehmen.

Mitten im burmesischen Dschungel befinden wir uns hier gemütlich im Dorfladen, wo wir übernachten durften. Die beiden Ladenbesitzer und unser Guide Sebastian (ja, Sebastian ist grosser FC Bayern-München Fan) hören sich hier gerade Tonaufnahmen ihres Dschungels an.

Für diesen dreitätigen Trip ins Unterholz haben wir die Garantie erhalten, 100% auf keine anderen Touristen zu treffen. Sie haben recht behalten.

Planst du eine Reise nach Burma oder wenn du mehr über den Trip nach Myanmar erfahren möchtest, lies hier den Reisebericht.

Mit den Easy-Ridern in Vietnam

Mit den Easy-Ridern in Vietnam
Tonaufnahmen am Strassenrand mittem im Dschungel von Vietnam. ...Ob das eine gute Aufnahme wird?

Easy-Rider nennen sie sich, die Motorradfahrer von Da Nang, die dich hinten auf dem Motorrad quer durch Vietnam fahren. Ganz ehrlich, eine wunderbare Art zu Reisen! Besonders bei glühenden Hitze, fährst du entspannt und luftgekühlt bei gemächlichem Tempo mit deinem Easy Rider durchs Land, vorbei an muffigen Reisebusse mit zugezogenen Vorhängen.

Auf dem Bild oben bereiten 'wir' eine Aufnahme vor. Trotz mehrmaligem Erklären haben's die beiden Lieben wohl bis zum Schluss nicht so ganz verstanden, was ich da eigentlich genau mache.

Bild: Tonaufnahmen hoch oben in den Bergen

'Stille' ist ein ganz eigener Klang. Wenn alle störenden Geräusche wegbleiben, bleibt nur noch das statische Rauschen der Atmosphäre. Wie eine Grundfarbe beim Malen, ist die Stille ein Hintergrund, der eine Filmszene emotional färben kann.

Eine statische Atmosphäre kann gross und weit sein, jedoch auch klein und eng. Sie kann bedrohlich wirken, kann drückend und schwer sein oder auch hell, offen und leicht.

Als Field Recordist und Sound Designer sammle ich die Klänge der Welt und verwende sie gerne in meinen Filmprojekten.

Bild: Versuch du doch mal, einen Weka aufzunehmen und dabei zu Fotografieren!